Suche
  • Emanuel Zangerle

Hart, Härter, Epic Israel

Im Laufe der Saison entstand die Idee mit Fabian Costa an einem Partner Stage Race in Israel teilzunehmen. Dabei sollten in 4 Tagen 300 km und 3700hm in steinigem und heißem Gelände zurückgelegt werden.


Doch wie schon fast üblich begann das Abenteuer ein wenig früher. Da kein Platz für unsere Räder von Innsbruck nach Frankfurt war, musste wir noch spätabends entscheiden,mit dem Auto um 2.00 Uhr morgens nach Frankfurt zu starten und hofften, dass wir dort einchecken können. Zum Glück lief alles glatt und so landeten wir am Abend in Tel Aviv.


Am nächsten Tag besichtigten wir die Prolog-Strecke. Es war ein recht langer Prolog mit 22km und 100hm, davon waren die ersten 10 schnell, bevor es in die Altstadt von Haifa ging, welche recht verwinkelt war. Die letzten Kilometer am Strand sollten nochmals besonders anspruchsvoll werden. Nach der Besichtigung kamen wir endlich am Renngelände an. Man merkte sofort wie professionell das Event aufgezogen wurde. Es fehlte an nichts, perfekte Zimmer, gutes Essen, Chillout-Lounge, Eisbäder, und, und, und.


Am nächsten Tag erfolgte unser Start in der Mittagshitze, was es nicht gerade leichter machte. Auf den ersten 10 km konnten wir uns noch gut abwechseln. Auf dem Retourweg, litt ich immer mehr und Fabian übernahm die Führung. Zurück im Ziel, landeten wir schließlich auf einem 14 Platz. Wir freuten uns, doch es war nur der Anfang und die nächsten 3 Tage sollten um ein Vielfaches anspruchsvoller werden.


Der Wecker klingelte um kurz vor fünf und schon zwei Stunden später standen wir an der Startlinie. Gleich die erste Stage sollte die Queen-Stage mit 96 km und 1650 hm sein. Es war gleichzeitig mein erster Marathon und deshalb hatte ich keine Ahnung wie es laufen würde. Fabian hatte in diesem Bereich schon einiges mehr an Erfahrung und so übernahm er die Leader-Rolle. In den ersten 1,5 Stunden war das Tempo extrem hoch und ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, wie ich die restlichen 2,5 Stunden jemals überleben sollte. Doch wenn ein Hubschrauber über dir fliegt und du die Kameras siehst, willst du nicht der Erste sein, der langsamer wird. Nach guten 35 km hatten wir gerade einmal 3:30 min Rückstand auf die Führungsgruppe und wir wussten, wir sind nicht schlecht dabei. Aber es war noch ein langer Weg nachhause. Immer wieder überholten wir Teams, bis wir uns schließlich in den Top 10 befanden. Doch die letzten 20 km sollten ein anderes Kapitel werden. Ich sollte vorausfahren und Fabian die Flaschen auffüllen, damit wir Zeitsparen. Ich übersah eine Abzweigung, bog falsch ab und stürzte. Im selben Moment schlossen Fabian und die anderen Teams auf und nach 3 h Rennzeit war ich mittlerweile erschöpft, wobei mir die Hitze den Rest gab. Somit gelang es mir nicht wieder aufzuschließen und die letzten 20 km sollten zu einem Einzelzeitfahren werden. Als mir noch das Trinken ausging, rettete ich noch den 11. Platz in das Ziel, bevor ich kollabierte. Immer noch ein Traumergebnis, aber es zieht dich runter, wenn du weißt es wär mehr drin gewesen. Nach der medizinischen Erstversorgung probierte ich mich so gut wie es ging zu erholen. Zu diesem Zeitpunkt kam mir eine Aufgabe des Rennens gar nicht in Sinn. Aber wenn ich im nachhinein den zerbrochenen Helm und die Videos sehe, bekomme ich immer noch ein wenig Gänsehaut.



Wenn der Körper funktionieren muss, dann funktioniert er auch und so stand ich am nächsten Morgen wieder an der Startlinie. Diesmal waren die ersten 30 km nur auf Feldwegen zu bewältigen, wobei man betonen sollte ,dass damit israelische Feldwege gemeint sind, staubig und rau. Wir schafften es in die große Führungsgruppe. Da meine Erfahrungen im "Feld" zu fahren gleich null sind, musste ich sehr schnell lernen, um nicht unnötig Energie zu verschwenden. Aber schon vor dem ersten Anstieg ging ich "blau". Es lief zäh, wir ließen die erste Feedzone aus, um ein wenig Zeit gut zumachen. Trotzdem dauerte es bis zu dem letzten Anstieg bis wir in die Top 13 kamen. Kaum dort angekommen fuhr ich mir einen Platten ein und wir verloren wieder Zeit und Platzierungen. Fabian gab in dem letzten Flachstück nochmal alles, was uns schlussendlich wieder auf den 16. Rang brachte. Die Hoffnungen stiegen ein super Overallergebnis einzufahren, aber es stand immer noch ein Tag an, wo alles passieren konnte.


Das Ziel für die letzte Etappe war defekt- und unfallfrei durchzukommen. Mit 2:45h war es eine kürzere Strecke, doch die drei Renntage hatten schon bei allen Spuren hinterlassen und schon das Aufsteigen schmerzte in allen Gliedern. Bis zu dem ersten Berg konnten wir uns erneut in der Spitzengruppe einreihen. Eine Engstelle vor dem ersten Anstieg streute das Feld, aber es hätte nichts am Ergebnis geändert, denn ich konnte nicht mehr schneller, ich war schon längst an meinem Limit. Nach ein paar flowigen Trails ging es auch schon wieder Richtung Ziel. Teams versuchten nochmals jede Sekunde für das Overall Ranking herauszuholen und somit kämpfte ich im Windschatten um mein Überleben, bis ich schließlich nachgeben musste. Oft frage ich mich dann im Ziel, ob vielleicht nicht noch ein paar Sekunden schneller möglich gewesen wären, denn wann dir nach 11:30h Fahrzeit nur 20 sec auf den Vordermann fehlen, fängt man an zu grübeln. Doch diesmal bin ich mir ziemlich sicher, dass ich alles gegeben hatte und jedesmal erst langsamer wurde als ich "Sterne vor meinen Augen blinkten" und ich immer wieder "schwarz" sah.


Mit dem super 13. Platz im Overall (600 Teams) ist es so oder so "Meckern auf sehr hohem Niveau". Neben Weltranglisten Punkte nahm ich aber noch etwas sehr viel Wertvolleres mit: Erfahrung! Nicht nur die ich selbst machte, sondern auch Fabian brachte mir in diesen 4 Tagen sehr viel bei. Ganz sicher bringen mich diese auch abseits des Rads im Leben weiter und so blicke ich gespannt in die Zukunft. Glücklich schließe ich die Saison 2019 mit einem Traumergebnis ab. Jetzt ist erstmal Zeit für eine Pause und meine Grundausbildung beim Militär.




70 Ansichten